Das neue EU-Gewährleistungslabel ab September 2026: Was Handmade-Selbstständige jetzt wissen müssen

Das neue EU-Gewährleistungslabel ab September 2026: Was Handmade-Selbstständige jetzt wissen müssen

Ab dem 27. September 2026 kommt ein neues EU-Gewährleistungslabel. Für viele Handmade-Kleinunternehmerinnen und -unternehmer bedeutet das eine weitere kleine Anpassung im Shop, im Verkaufsraum oder am Selbstbedienungsschrank.

Gerade wer selbstgemachte Produkte über den eigenen Onlineshop, einen Selbstbedienungsschrank, Märkte oder Plattformen wie Etsy verkauft, fragt sich deshalb zu Recht: Muss ich dieses Label verwenden? Wo muss es hin? Und was muss ich dabei beachten?

In diesem Artikel schauen wir uns das Ganze speziell aus der Sicht kleiner Handmade-Unternehmen an.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.


Was ist das neue EU-Gewährleistungslabel?

Das neue Label soll Verbraucherinnen und Verbraucher europaweit einheitlich darüber informieren, dass sie beim Kauf von Konsumgütern ein gesetzliches Gewährleistungsrecht haben.

Das Label enthält unter anderem Informationen darüber,

  • dass für Waren ein gesetzlicher Anspruch auf Gewährleistung besteht,
  • welche Rechte Verbraucher bei mangelhaften Waren haben,
  • wie sie diese Rechte geltend machen können,
  • und wo sie weitere Informationen finden.

Das Besondere: Das Label hat ein vorgegebenes Design und einen QR-Code. Die Gestaltung darf also nicht einfach nach eigenen Vorstellungen verändert werden. 

Ab wann gilt die Pflicht?

Der entscheidende Termin ist der 27. September 2026. Ab diesem Datum ist die Verwendung des harmonisierten Gewährleistungslabels verpflichtend. 

Für Handmade-Unternehmer bedeutet das: Wer einen eigenen Shop oder ein Ladengeschäft betreibt, sollte sich jetzt mit der Umsetzung beschäftigen.


Gilt das auch für kleine Handmade-Unternehmen?

Ja.

Die Regelung richtet sich nicht nur an große Onlineshops oder Handelsketten. Auch gewerbliche Verkäufer von Konsumgütern sind betroffen.

Das ist gerade für Handmade-Unternehmer interessant, denn ein kleines Gewerbe mit beispielsweise

  • handgemachten Holzprodukten,
  • Kerzen,
  • Schmuck,
  • Papeterie,
  • Deko,
  • Textilien,
  • Geschenkartikeln

ist nicht automatisch von den neuen Informationspflichten ausgenommen.

Entscheidend ist vielmehr, was verkauft wird und wie der Verkauf erfolgt.


Was bedeutet das für meinen eigenen Onlineshop?

Wenn du einen eigenen Onlineshop betreibst, muss das Gewährleistungslabel dort als allgemeiner Hinweis auf das gesetzliche Gewährleistungsrecht eingebunden werden.

Für den Onlinebereich gibt es dabei eine wichtige Besonderheit:

Online muss das Label farbig dargestellt werden.

Die EU gibt außerdem vor, dass das Label in seiner festgelegten Gestaltung verwendet wird. Die einzelnen Elemente dürfen nicht einfach verändert werden. 

Das bedeutet für einen typischen Handmade-Shop:

Nicht notwendig ist es, auf jedes einzelne Produkt ein riesiges Gewährleistungslabel zu setzen.

Stattdessen geht es um einen gut sichtbaren allgemeinen Hinweis auf der Website bzw. im Onlineshop.

Das ist beispielsweise interessant für Shops, die mit Shopify, WooCommerce, Shopware oder einem anderen Shopsystem arbeiten.


Und was ist mit meinem Selbstbedienungsschrank?

Hier wird es für viele Handmade-Unternehmen besonders interessant.

Wer seine Produkte zusätzlich in einem Selbstbedienungsschrank, Hofladen oder kleinen Verkaufsraum anbietet, verkauft seine Waren nicht ausschließlich online.

Auch dort soll das Gewährleistungslabel gut sichtbar angebracht werden.

Die EU nennt als Beispiele unter anderem:

  • ein Poster an einer gut sichtbaren Wand,
  • einen Hinweis neben der Kasse,
  • beziehungsweise einen entsprechenden allgemeinen Hinweis im Onlineshop. 

Für einen Selbstbedienungsschrank bietet sich daher beispielsweise ein A4-Aushang im Schrank bzw. unmittelbar beim Verkaufsbereich an.

Das ist praktisch, weil deine Kundinnen und Kunden den Hinweis sehen können, bevor sie sich für einen Kauf entscheiden.

Wichtig für den Selbstbedienungsschrank

Das Label ersetzt nicht die sonstigen Produktinformationen.

Wenn du beispielsweise selbst hergestellte Produkte verkaufst, können je nach Produkt weitere Kennzeichnungs-, Sicherheits- oder Informationspflichten bestehen.

Das Gewährleistungslabel ist also nicht das gleiche wie die GPSR-Kennzeichnung.

Das wird gerne miteinander verwechselt.


Gewährleistungslabel ≠ GPSR

Wenn du dich in letzter Zeit mit der EU-Produktsicherheitsverordnung (GPSR) beschäftigt hast, sind dir wahrscheinlich bereits Begriffe wie

Herstellerangaben, Anschrift, E-Mail-Adresse, Produktidentifikation und Sicherheitshinweise

begegnet.

Das sind andere Anforderungen.

Vereinfacht gesagt:

Thema

Worum geht es?

GPSR

Produktsicherheit und Informationen zum Produkt

Gewährleistungslabel

Information über das gesetzliche Gewährleistungsrecht

GARAN-Label

Kennzeichnung einer bestimmten freiwilligen gewerblichen Haltbarkeitsgarantie

 

Du solltest diese drei Themen deshalb nicht in einen Topf werfen.


Brauche ich auch das GARAN-Label?

Nicht automatisch.

Auf vielen Darstellungen des neuen EU-Hinweises findet man zusätzlich das sogenannte GARAN-Label. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Handmade-Shop dieses Label verwenden muss.

Das GARAN-Label betrifft eine freiwillige gewerbliche Haltbarkeitsgarantie, die bestimmte Voraussetzungen erfüllt.

Nach den EU-Informationen geht es dabei insbesondere um eine Garantie,

  • die kostenlos gewährt wird,
  • für die gesamte Ware gilt,
  • und mehr als zwei Jahre läuft. 

Wenn du also beispielsweise einfach die gesetzliche Gewährleistung gewährst und keine entsprechende freiwillige Haltbarkeitsgarantie von mehr als zwei Jahren für dein gesamtes Produkt anbietest, ist das GARAN-Label nicht automatisch erforderlich.

Das ist gerade für kleine Handmade-Shops wichtig: Das neue Gewährleistungslabel bedeutet nicht, dass du plötzlich eine zusätzliche Garantie auf deine Produkte geben musst.


Was ist mit Etsy?

Hier gibt es eine interessante Besonderheit.

Wenn du deine Handmade-Produkte über Etsy verkaufst und dort als gewerblicher Händler auftrittst, betrifft dich die zugrunde liegende EU-Regelung ebenfalls.

Allerdings musst du nicht unbedingt selbst versuchen, das Gewährleistungslabel in jede einzelne Etsy-Produktbeschreibung einzubauen.

Etsy erklärt aktuell, dass der harmonisierte EU-Hinweis auf den entsprechenden Artikelseiten automatisch angezeigt wird, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind und die Artikel an Käufer im Europäischen Wirtschaftsraum gerichtet sind. Etsy weist gleichzeitig darauf hin, dass die Verkäufer für die Richtigkeit ihrer Angaben und die Konformität ihrer Artikelseiten verantwortlich bleiben. 

Das bedeutet praktisch:

Etsy-Verkäufer sollten ihre Einstellungen und Produktangaben trotzdem überprüfen, müssen aber nicht zwangsläufig dieselbe technische Umsetzung vornehmen wie beim eigenen Onlineshop.

Und auch hier gilt: Zusätzliche Garantieversprechen können weitere Pflichten auslösen.


Wo bekomme ich das offizielle Label?

Das würde ich tatsächlich nicht irgendwo aus einem Blog oder von einer anderen Website herunterladen.

Die Europäische Kommission stellt das Label offiziell und kostenlos zur Verfügung – unter anderem als PDF sowie als hochauflösende SVG-, PNG- und JPG-Dateien.

Es gibt sowohl eine farbige Version für Online-Shops und physische Geschäfte als auch eine Schwarz-Weiß-Version für den stationären Bereich. Für den Onlinebereich ist die farbige Version vorgesehen. 

👉 Offizielle Download-Seite der Europäischen Kommission: EU-Gewährleistungslabel und GARAN-Label⁠ 

Alternativ erklärt die offizielle EU-Verbraucherplattform die Anforderungen ausführlich:

👉 Your Europe – Gewährleistungslabel und GARAN-Label⁠ 


Wie groß muss das Label sein?

Auch hier gibt es konkrete Vorgaben.

Für einen Ausdruck im stationären Verkauf muss das Gewährleistungslabel mindestens DIN A4 groß sein.

Im Ladengeschäft darf es farbig oder schwarz-weiß verwendet werden.

Für einen Onlineshop muss das Label dagegen farbig dargestellt werden. 

Für einen Selbstbedienungsschrank bedeutet das in der Praxis:

A4 ausdrucken → gut sichtbar im Verkaufsbereich anbringen → fertig.

Natürlich sollte zusätzlich darauf geachtet werden, dass der Hinweis nicht durch andere Schilder, Produkte oder Werbung verdeckt wird.


Meine Checkliste für Handmade-Kleinunternehmer

Wenn du einen kleinen Handmade-Betrieb mit eigenem Shop und vielleicht zusätzlich einem Selbstbedienungsschrank betreibst, würde ich mir folgende Punkte anschauen:

🛒 Eigener Onlineshop

☐ Gewährleistungslabel ab 27.09.2026 einbinden
☐ offizielle farbige Version verwenden
☐ Label nicht eigenmächtig verändern
☐ zusätzlich bestehende Informationspflichten beachten
☐ GPSR-Informationen nicht mit dem Gewährleistungslabel verwechseln

🏡 Selbstbedienungsschrank / Hofverkauf

☐ Gewährleistungslabel ab 27.09.2026 gut sichtbar anbringen
☐ für den Ausdruck mindestens DIN A4 verwenden
☐ farbig oder schwarz-weiß möglich
☐ Label so platzieren, dass Kunden es beim Einkauf wahrnehmen können
☐ produktspezifische Kennzeichnungen und Sicherheitshinweise weiterhin beachten

🧡 Etsy

☐ prüfen, ob du dort als gewerblicher Händler geführt wirst
☐ eigene Produkt- und Händlerangaben aktuell halten
☐ beachten, dass Etsy den EU-Hinweis auf entsprechenden Artikelseiten nach eigenen Angaben automatisch anzeigt
☐ zusätzliche Garantieversprechen separat prüfen 


Fazit: Für kleine Handmade-Shops ist es vor allem eine weitere kleine Anpassung

Wenn du als Handmade-Unternehmer einen eigenen Onlineshop und vielleicht zusätzlich einen Selbstbedienungsschrank betreibst, klingt das neue EU-Label zunächst nach einer weiteren komplizierten Vorschrift.

In der praktischen Umsetzung ist es aber vergleichsweise überschaubar:

Im Onlineshop: das offizielle, farbige Label gut sichtbar integrieren.

Im Selbstbedienungsschrank: das offizielle Label als mindestens A4 großes Informationsschild gut sichtbar anbringen.

Bei Etsy: die von Etsy bereitgestellte Darstellung beachten und deine Händler- und Produktangaben aktuell halten.

Und ganz wichtig: Das Gewährleistungslabel ist keine neue Garantie, die du deinen Kunden freiwillig versprechen musst. Es informiert über das bereits bestehende gesetzliche Gewährleistungsrecht. Das zusätzliche GARAN-Label betrifft dagegen eine bestimmte freiwillige gewerbliche Haltbarkeitsgarantie. 

Für Handmade-Kleinunternehmer lohnt es sich deshalb, das Thema nicht isoliert zu betrachten, sondern gemeinsam mit GPSR, Impressum, Widerrufsbelehrung, AGB und den übrigen Pflichtinformationen im eigenen Shop einmal komplett durchzugehen.

Stand dieses Artikels: September 2026. Die offiziellen EU-Seiten sollten bei Änderungen der Vorgaben als maßgebliche Quelle herangezogen werden.

 

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